Vom Datenfriedhof zur Datenwertschöpfung

Vom Datenfriedhof zur Datenwertschöpfung

Februar 2026

Dominic Beusch

, Exec. MBA Digital Transformation

Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts – eine Aussage, die in vielen Unternehmen bereits Realität geworden ist. Doch was passiert, wenn dieser Rohstoff brachliegt? In zahllosen Systemen, Datenbanken und Tabellen schlummern riesige Mengen an Informationen, die nie genutzt werden. Diese ungenutzten Daten werden oft lieblos als „Datenfriedhöfe” bezeichnet. Sie kosten Speicherplatz, blockieren Prozesse und binden Ressourcen. Es wird Zeit, diese lineare Sackgasse zu verlassen und den Kreis zu schliessen.

Der Datenlebenszyklus – (k)ein geschlossener Kreislauf

Ein Kreis steht für Ganzheit, Kreisläufe und Bewegung. Genau das fehlt jedoch oft bei der Datennutzung. Daten werden zwar gesammelt, aber nicht weiterverarbeitet, analysiert oder zurückgespielt. Anstelle eines dynamischen Datenkreislaufs entsteht so eine starre Einbahnstrasse: Daten fliessen hinein, aber nicht wieder hinaus. Das Resultat sind fragmentierte Informationen ohne Kontext und potenzielle Erkenntnisse ohne Umsetzung.

 

Datenwertschöpfung beginnt dort, wo Unternehmen den Mut haben, diesen Kreis zu schliessen. Es geht darum, aus passiven Datensammlungen aktive Erkenntniskreisläufe zu machen, in denen Daten nicht nur archiviert, sondern auch verstanden, veredelt und wieder in die Prozesse integriert werden.

 

Vom Datenfriedhof zum Wertschöpfungskreislauf

Der Weg zur datengetriebenen Organisation beginnt mit einem Perspektivwechsel. Daten sind nicht nur „technische Assets“, sondern zirkulierende Träger von Erkenntnis. Die Schritte dorthin:

 

  • Daten verstehen: Welche Daten haben wir? Wo liegen sie? Wer nutzt sie? Ein Datenkatalog hilft, den ersten Überblick zu gewinnen.

 

  • Daten veredeln: Durch Qualitätsprüfungen, Modellierung und Anreicherung werden Rohdaten zu analysierbarem Material.

 

  • Daten verknüpfen: Daten aus verschiedenen Quellen werden verbunden – technisch wie fachlich.

 

  • Daten nutzen: Nur wenn Daten Entscheidungen, Prozesse oder Innovationen beeinflussen, entsteht tatsächlicher Wert.

 

  • Daten zurückspielen: Erkenntnisse aus der Analyse fliessen zurück – in Dashboards, Steuerungssysteme und KI-Modelle. Der Kreis schliesst sich.

 

Beispiel: Ein Finanzinstitut nutzt Transaktionsdaten, um Risikomuster zu erkennen. Es spielt diese Informationen zurück ins Kundenmanagement, passt Prozesse an – und analysiert erneut. So entsteht ein datengestützter Regelkreis, der kontinuierlich Mehrwert generiert.

 

Die Rolle von Governance und Kultur

Ein stabiler Kreislauf benötigt eine gewisse Struktur. Data Governance sorgt dafür, dass Verantwortlichkeiten, Qualität und Sicherheit klar geregelt sind. Doch genauso wichtig ist die Kultur: Mitarbeitende müssen befähigt sein, mit Daten zu arbeiten und deren Nutzen zu erkennen. Ein datenorientiertes Mindset schliesst den Kreis zwischen Technik, Organisation und Menschen.

 

Vom Sammeln zum Zirkulieren

Wer nur Daten sammelt, füllt Regale. Wer Daten zirkulieren lässt, erschafft Wert. Die Metapher des Kreises erinnert uns daran: Daten dürfen nicht in der Vergangenheit stecken bleiben. Sie müssen fliessen – zwischen Systemen, zwischen Menschen, zwischen Entscheidungen. Die Zukunft gehört jenen Organisationen, die ihre Daten nicht nur speichern, sondern bewegen.

 

 

Fazit

Der Weg vom Datenfriedhof zur Datenwertschöpfung ist nicht nur ein technologisches Projekt, sondern vielmehr eine kulturelle und strategische Reise. Unternehmen, die den Datenkreislauf bewusst schliessen, schaffen die Grundlage für Innovation, Effizienz und Zukunftsfähigkeit. Sie verwandeln tote Daten in lebendige Ressourcen.

In einem erfolgreichen Unternehmen ist der Datenfluss ein geschlossener Kreis: Aus Information wird Erkenntnis, aus Erkenntnis wird Handlung, aus Handlung entsteht neuer Kontext – und der Kreislauf beginnt von vorn.